Reminder: Man kann keinen progressiven Punkt machen, indem man Menschen als dumm vorführt. Eine Randbemerkung zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

*Enthält kleinste Spoiler, die für den Plot aber unerheblich sind*

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein großartiger Film, der alle Auszeichnungen, die er hoffentlich erhalten wird, redlich verdient. Three Billboards ist im besten Sinne humanistisch: Ihm gelingt es nicht nur, mittelwestlich-kleinstädtische Lebenswelten, die dem größten Teil des Publikums sehr fremd sein dürften, mit viel Empathie als menschliche Lebenswelten darzustellen; er zeichnet nicht nur liebenswerte Charaktere, die ständig das Falsche tun oder – wenn Sie aus Versehen doch einmal das Richtige tun – grandios scheitern; er ist dabei auch sehr, sehr lustig.

Aber er versucht an einigen Stellen auf eine Art lustig zu sein, die er sich besser gespart hätte. So versucht der Film Humor immer wieder dadurch zu generieren, dass er insbesondere zwei Figuren als unfassbar dumm vorführt – jeweils in einem offensichtlichen Versuch, damit ein progressives Argument zu machen.

Haha, Rassismus, lustig

Die erste dieser beiden Figuren ist der Polizist Jason Dixon, der sich trotz aller Wendungen und Wandlungen von Anfang bis Ende des Plots immer wieder durch größere und kleinere Dummheit blamiert – er weiß nicht nur nichts über die Welt, er ist auch unfähig, es auszudrücken. Und besonders dumm spricht Dixon immer dann, wenn er seinen Rassismus offenbart.

Der progressive Punkt, den der Film zu machen versucht und den das Publikum dankbar aufnimmt, ist sehr einfach und sattsam bekannt: Rassismus ist dumm, haha, Rassismus ist so dumm.

Dumm nur, dass das eine der schlechtesten Form von Rassismuskritik ist: Auf der einen Seite verharmlost sie Rassismus als etwas, das sich durch ein Minimum an Bildung auflösen ließe. Auf der anderen Seite erlaubt sie es dem sich klug fühlenden Publikum zu denken, es selbst könne mit Rassismus nichts zu tun haben – so dumm wie Dixon ist man ja schließlich nicht, im Gegenteil ist man sogar klug genug, über ihn zu lachen. Haha, Rassismus, lustig.

Haha, dumme Fraun, lustig

Die zweite als dumm vorgeführte Figur ist Penelope, die neunzehnjährige Freundin des Ex-Manns der Hauptfigur. Dieser gesteht das Drehbuch nicht sehr viele eigene Zeilen zu. Es wird mehr über sie gesprochen, als sie selbst spricht – auch wenn sie sich im selben Raum befindet. Wenn sie aber doch einmal etwas sagen darf, dann fast nur, um ihre Dummheit vorzuführen – und hat sie dann aus Versehen doch einmal etwas klug Klingendes gesagt, stellt sich kurz darauf heraus, dass es aus dummen Gründen geschah.

Wieder ist offensichtlich, dass mit dem Vorführen ihrer Dummheit ein fortschrittliches Argument gemacht werden soll. Das eigentliche Ziel des Spottes ist nicht Penelope, der immer mindestens so viel Mitleid wie Verachtung entgegengebracht wird, sondern Mildreds Ex-Mann Charlie, der sich über den Tod der Tochter hinwegtröstet, indem er eine Beziehung mit einem 19jährigen Mädchen anfängt – und das obwohl seine Ex-Frau so ziemlich die coolste und klügste Frau ist, die man sich (in Ebbing, Missouri) vorstellen kann.

Aber wieder misslingt das Unterfangen: Wer eine Frau als dumm vorführt, um den Mann zu kritisieren, der mit dieser Frau zusammen ist, führt am Ende doch nur eine Frau als dumm vor. Haha, dumme Fraun, lustig.

 

Bottom Line: Man kann kein progressives Argument machen, indem man jemanden als dumm vorführt – selbst dann nicht, wenn man ein so guter Film wie Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist.

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