Können wir bitte aufhören, distinktionsgeile, klassistische Lästereien als subversives Lachen gegen rechts zu verkaufen?

Es gibt viele gute Gründe über Rechte zu lästern und zu lachen. Wer eine Politik betreibt, die systematisch darauf zielt, ganze Gruppen von Menschen herabzuwürdigen, zu marginalisieren und zu diskriminieren, hat jede Kritik verdient, auch spöttische und polemische. Allzu oft geht jedoch etwas als lustige Kritik gegen rechts durch, das in erster Linie etwas ganz anderes ist, nämlich distinktionsgeile, klassistische Lästerei über weniger privilegierte Milieus. In den entsprechenden Witzen werden Rechte dann als dumme, faule, ungebildete, arbeitslose, hässliche, fette Nichtsnutze dargestellt, die über ihre eigene Unzulänglichkeit hinwegtäuschen wollen, indem sie gegen Andere hetzen.

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Wer ist „hysterisch“? Über die rege Phantasie der um Uwe Tellkamp besorgten Bürger

Nachdem Uwe Tellkamp sich erst hetzerisch in Sachen Migrationspolitik äußerte und kurze Zeit darauf die entsprechend ausgerichtete „Erklärung 2018“ unterzeichnete, steht er im Zentrum einer aufgeregten öffentlichen Debatte. Am erregtesten und irrationalsten treten dabei ironischerweise diejenigen auf, die eine angebliche „Hysterie“ in den Reaktionen auf Tellkamps Äußerungen monieren.

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Reminder: Man kann keinen progressiven Punkt machen, indem man Menschen als dumm vorführt. Eine Randbemerkung zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

*Enthält kleinste Spoiler, die für den Plot aber unerheblich sind*

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein großartiger Film, der alle Auszeichnungen, die er hoffentlich erhalten wird, redlich verdient. Three Billboards ist im besten Sinne humanistisch: Ihm gelingt es nicht nur, mittelwestlich-kleinstädtische Lebenswelten, die dem größten Teil des Publikums sehr fremd sein dürften, mit viel Empathie als menschliche Lebenswelten darzustellen; er zeichnet nicht nur liebenswerte Charaktere, die ständig das Falsche tun oder – wenn Sie aus Versehen doch einmal das Richtige tun – grandios scheitern; er ist dabei auch sehr, sehr lustig.

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I’d show you everywhere you’re wrong but I’m never talking to you again. Über „Mit Rechten reden“

Es steht außer Frage, dass (nicht nur) die deutsche Öffentlichkeit es der rechtspopulistischen Agitation in den letzten Jahren sehr leicht gemacht hat – man überließ der Rechten das Agendasetting fast kampflos, es gab auf allen Kanälen Gratis-Airtime satt und obendrein noch endlose Möglichkeiten, sich als tabubrechendes Opfer zu inszenieren. Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn sind mit ihrem vieldiskutierten Buch Mit Rechten reden angetreten, die Bedingungen für diesen Erfolg der Rechten herauszuarbeiten und einen besseren, ruhigeren, rationaleren Umgang vorzuschlagen, der es den Rechten weniger leicht machen soll. Weil ihre Fehlerdiagnose aber äußerst einseitig und verkürzt ausfällt, ist die von ihnen vorgeschlagene Gegenstrategie, die Rechten einfach mal mit Gegenargumenten zu überraschen, eher geeignet, das Problem zu verschärfen als es zu lindern. Tatsächlich legen sie auf 180 Seiten nicht ein einziges erfahrungsbasiertes Indiz dafür vor, dass diese Strategie funktionieren könnte.

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Mit Katapulten im Glashaus. Ein unredlicher Streit über den unredlichen Umgang mit einem Zitat von Necla Kelek

Floris Biskamp

Seit einigen Tagen wird in diversen Medien über die zweifelhafte Karriere eines Zitats von Necla Kelek gestritten. Was Keleks Kritiker_innen da mit ihren Sätzen angestellt haben, ist zweifelsohne unredlich. Wer aber die Unredlichkeit Anderer kritisiert, sollte doch selbst zur Abwechslung einmal redlich sprechen. „Mit Katapulten im Glashaus. Ein unredlicher Streit über den unredlichen Umgang mit einem Zitat von Necla Kelek“ weiterlesen

Was darf man als Mann überhaupt noch? Der Fall Roy Moore gibt Antworten

Viele Männer fragen sich selbst und die feuilletonistische Öffentlichkeit dieser Tage voller Unruhe: Was darf man als Mann überhaupt noch tun, wie kann man sich Frauen überhaupt noch annähern, ohne Gefahr zu laufen, dass einem die hysterisch-feministische PC-Mafia anschließend Leben und Karriere zerstört? Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, stellt jedes Flirten, jedes Kompliment, jeder Blick ein nicht einzuschätzendes Wagnis dar!

Doch zum Glück gibt es nun erste Antworten, zum Beispiel durch den Fall von Roy Moore (Republikaner aus Alabama): „Was darf man als Mann überhaupt noch? Der Fall Roy Moore gibt Antworten“ weiterlesen

Gayatri Spivaks überraschender Wille zur Wahrheit. Warum Rassismuskritik es sich mit Spivak-Zitaten nicht zu einfach machen sollte

Floris Biskamp

Eine Frage, die nicht nur in feministischen und rassismuskritischen Kontexten immer wieder zu Kontroversen führt, ist die nach dem Sprechen über die Geschlechterverhältnisse der (kulturell) Anderen. Insbesondere wird darüber gestritten, unter welchen Bedingungen man eine Darstellung islamischer Geschlechterverhältnisse als Kritik patriarchalischer Herrschaft willkommen heißen und unter welchen Bedingungen als Beitrag zur Stigmatisierung einer Minderheit zurückweisen soll. Weil Gayatri Spivaks Satz „White men saving brown women from brown men” dabei von rassismuskritischer Seite oftmals zitiert wird, um Diskurse als rassistisch auszuweisen, gehe ich diesem Satz in Spivaks Werk nach und rekonstruiere, nach welchen Kriterien sie selbst ihn verwendet. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass sie für ihre Urteile eine weitaus aufwändigere Beweisführung leistet, als es in der Rassismuskritik oft üblich ist.

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Misstraut Euch! Warum Sama Maani es der linken „Islamkritik“ zu einfach macht

Floris Biskamp

In einer Diskussion mit Sama Maani habe ich die These vertreten, dass er es seinen Leserinnen[1] allzu einfach macht, Legitimität für die eigene „Islamkritik“ zu beanspruchen. Der Grund dafür ist ein meines Erachtens verkürztes Verständnis von Rassismus, dem ich mein Verständnis von antimuslimischem Rassismus entgegenstelle. Untenstehend ist das überarbeitete Vortragsmanuskript dokumentiert.

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Beim Häuten des Wurstzipfels. Wie Jonas Dörge einmal fast einen Gedanken fühlte

Das öffentliche Auftreten des Bündnis gegen Antisemitismus Kasssel wird fast vollständig durch Jonas Dörges Online-Tiraden bestimmt. Weil diese vor Ressentiment und Ignoranz triefen, blamiert Dörge das BgA dabei ein ums andere Mal. „Beim Häuten des Wurstzipfels. Wie Jonas Dörge einmal fast einen Gedanken fühlte“ weiterlesen

Interessenkonflikte sollten nicht verleugnet, sondern von links bearbeitet werden. Ein kurzer Nachtrag zu Lafontaines zynischer Wahlanalyse

Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht fordern im Namen der sozialen Gerechtigkeit und des Kampfes gegen die AfD, dass die Partei Die Linke eine restriktivere Linie in der Flüchtlingspolitik vertreten soll. Diese Forderung ist ohne Wenn und Aber zurückzuweisen. Dabei sollte der von beiden angesprochene Konflikt zwischen einer offenen Migrationspolitik und den Interessen von Teilen der Bestandsbevölkerung aber nicht naiv verleugnet, sondern von links bearbeitet werden.

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