Kritik zurückgezahlt in Raten #2 – Sonderzahlung: Zitieren und lügen

Meine Thesen zu Islamdebatten zwischen antimuslimischem Rassismus und demokratischer Kritik sind in den letzten Jahren mehrfach kritisiert worden. In längeren Texten tat dies schon vor drei Jahren Jan Huiskens, zuletzt taten es auch Sama Maani [1 2 3 4] und Felix Perrefort; darüber hinaus wurde Kritik auch in kürzeren Passagen oder in sozialen Medien formuliert. Anstatt eine umfassende Antwort in einem langen Text zu formulieren, zahle ich die Kritik in Raten zurück: Ich nehme jeweils einen einzelnen Aspekt heraus und gehe darauf in einem Blogbeitrag ein, wobei ich die strittigen Aspekte meiner Position zu begründen versuche. In dieser zweiten, außerplanmäßigen Rate gehe ich auf Felix Perreforts Zitationspraxis ein.

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Aber wir sind doch alle ratlos! Über den wenig würdevollen Kampf für Alexander Gaulands Menschenwürde

Nicht nur Jochen Bittner zeigt sich empört über die Verbreitung eines Bildes von Alexander Gauland in Badehose. Aber es besteht kein Anlass zur Sorge: Auch wenn Gauland wenig würdevoll dargestellt wird und Bittner nicht sehr würdevoll agiert, ist ihre Menschenwürde doch nicht gefährdet.

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Können wir bitte aufhören, distinktionsgeile, klassistische Lästereien als subversives Lachen gegen rechts zu verkaufen?

Es gibt viele gute Gründe über Rechte zu lästern und zu lachen. Wer eine Politik betreibt, die systematisch darauf zielt, ganze Gruppen von Menschen herabzuwürdigen, zu marginalisieren und zu diskriminieren, hat jede Kritik verdient, auch spöttische und polemische. Allzu oft geht jedoch etwas als lustige Kritik gegen rechts durch, das in erster Linie etwas ganz anderes ist, nämlich distinktionsgeile, klassistische Lästerei über weniger privilegierte Milieus. In den entsprechenden Witzen werden Rechte dann als dumme, faule, ungebildete, arbeitslose, hässliche, fette Nichtsnutze dargestellt, die über ihre eigene Unzulänglichkeit hinwegtäuschen wollen, indem sie gegen Andere hetzen.

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Wer ist „hysterisch“? Über die rege Phantasie der um Uwe Tellkamp besorgten Bürger

Nachdem Uwe Tellkamp sich erst hetzerisch in Sachen Migrationspolitik äußerte und kurze Zeit darauf die entsprechend ausgerichtete „Erklärung 2018“ unterzeichnete, steht er im Zentrum einer aufgeregten öffentlichen Debatte. Am erregtesten und irrationalsten treten dabei ironischerweise diejenigen auf, die eine angebliche „Hysterie“ in den Reaktionen auf Tellkamps Äußerungen monieren.

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I’d show you everywhere you’re wrong but I’m never talking to you again. Über „Mit Rechten reden“

Es steht außer Frage, dass (nicht nur) die deutsche Öffentlichkeit es der rechtspopulistischen Agitation in den letzten Jahren sehr leicht gemacht hat – man überließ der Rechten das Agendasetting fast kampflos, es gab auf allen Kanälen Gratis-Airtime satt und obendrein noch endlose Möglichkeiten, sich als tabubrechendes Opfer zu inszenieren. Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn sind mit ihrem vieldiskutierten Buch Mit Rechten reden angetreten, die Bedingungen für diesen Erfolg der Rechten herauszuarbeiten und einen besseren, ruhigeren, rationaleren Umgang vorzuschlagen, der es den Rechten weniger leicht machen soll. Weil ihre Fehlerdiagnose aber äußerst einseitig und verkürzt ausfällt, ist die von ihnen vorgeschlagene Gegenstrategie, die Rechten einfach mal mit Gegenargumenten zu überraschen, eher geeignet, das Problem zu verschärfen als es zu lindern. Tatsächlich legen sie auf 180 Seiten nicht ein einziges erfahrungsbasiertes Indiz dafür vor, dass diese Strategie funktionieren könnte.

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